Einleitung – Skandinavien ruft
Manche Reisen beginnen nicht am Startpunkt, sondern im Kopf – Monate vorher. Karten werden studiert, Routen verworfen, neue Ideen gesponnen. Und irgendwann steht fest: Es geht wieder nach Skandinavien.
Der Norden hat eine besondere Anziehungskraft. Endlose Wälder, einsame Straßen, Schotterpisten ohne Verkehr, wechselndes Wetter und dieses Licht, das man so nur hier oben findet. Genau deshalb saßen wir auch im Sommer 2025 wieder auf unseren Motorrädern, mit dem Ziel, möglichst weit nach Norden zu fahren – über den Polarkreis hinaus, durch Schweden, Finnland und Norwegen.
Diese Reise war kein Rennen, kein „höher, schneller, weiter“. Es ging um das Unterwegssein, um Freiheit, um das einfache Leben zwischen Tankstopps, Fähren und Hotels. Um Tage voller Kilometer und Abende, an denen man einfach nur ankommt.
Was folgt, ist der Bericht einer Reise, die uns erneut gezeigt hat, warum Skandinavien für Motorradfahrer etwas ganz Besonderes ist.
28.07.2025 - Tag 01 - Aufbruch nach Skandinavien
8km - Es geht los nach Göteborg (Schweden) - Bildergalerie
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Endlich war es wieder so weit. Die Motorräder waren gepackt, die Vorfreude riesig. Am Nachmittag machte sich Thomas auf den Weg nach Molfsee, bevor wir gemeinsam Richtung Schwedenkai in Kiel rollten. Ziel des Tages: die Fähre nach Göteborg – der Startschuss für unsere Skandinavien-Tour.
Das Boarding verlief unspektakulär, zog sich aber über mehrere Stunden. Kein Stress, keine Hektik. Nachdem wir unsere Motorräder sicher verzurrt hatten, bezogen wir unsere Kabine. Nichts Besonderes, aber vollkommen ausreichend für die Überfahrt.
Die Zeit bis zum Ablegen verbrachten wir auf dem Sonnendeck. Als wir die Kieler Förde verließen, wurde endgültig klar: Der Alltag liegt hinter uns. Kurz darauf ging es unter Deck – der Norden konnte kommen.
29.07.2025 - Tag 02 - Westküste, Fjällbacka und Regen über Karlstad
377km - Göteborg (Schweden) nach Karlstad - Bildergalerie
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Der Tag begann früh mit einem Frühstücksbuffet an Bord – solide und genau richtig für den Start. Das Entladen der Fähre ging zügig, und mit dem Motorrad war man schnell an der Autoschlange vorbei.
Unser Plan: entlang der schwedischen Westküste nach Norden. Erstes Ziel war Fjällbacka, ein bekannter Ort direkt am Meer. Am Hafen ließen wir es ruhig angehen, genossen die Atmosphäre und entschieden uns spontan, aufgrund der Wetterprognose Richtung Osten abzubiegen.
Über kleinste Straßen, viele davon geschottert, fuhren wir Richtung Vänern. Kurz vor Karlstad holte uns der Regen ein. In der Stadt fanden wir im Scandic Winn erfolgreich ein Zimmer – genau zur richtigen Zeit.
30.07.2025 - Tag 03 - Inlandsvägen und schwedische Einsamkeit
608km - Karlstad nach Östersund - Bildergalerie
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Der Regen vom Vortag war verschwunden, die Sonne trocknete die Straßen. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es los auf den Inlandsvägen Richtung Östersund. Heute stand Strecke machen auf dem Plan.
Hinter Orsa verließen wir die Hauptstraße und tauchten ein in die schwedische Pampa. Schotterpisten, kaum Verkehr, endlose Weite – genau das, was man sich von Schweden erhofft. Bei hohen Temperaturen entdeckten wir eine perfekte Badestelle und nutzten die Gelegenheit für eine Abkühlung.
Am späten Nachmittag erreichten wir Östersund und checkten im Best Western Hotell Ett ein. Abends ging es zu Fuß in die Innenstadt – Essen, ein bisschen Stadtleben, dann Ruhe.
31.07.2025 - Tag 04 - Vildmarksvägen bei schlechtem Wetter
461km - Östersund nach Vilhelmina - Bildergalerie
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Wie schon im letzten Jahr entschieden wir uns für die Strecke über den Vildmarksvägen. Dieses Mal allerdings unter deutlich schlechteren Bedingungen. Entlang der norwegischen Grenze regnete es kräftig, die Landschaft verschwand teilweise im Grau.
Je weiter wir uns nach Osten bewegten, desto besser wurde das Wetter. Die Strecke blieb trotzdem beeindruckend – rau, weit und einsam. Übernachtet haben wir erneut im Hotell Wilhelmina, fast schon ein fester Bestandteil unserer Route.
01.08.2025 - Tag 05 - Schotter, Regen und Storforsen
447km - Vilhelmina nach Lulea - Bildergalerie
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Dieses Jahr startete der Tag in Vilhelmina trocken – ein klarer Vorteil. Die Route führte uns weiter durch den Norden Schwedens: Wälder, Hügel, kaum Ortschaften. Später erwischte uns doch noch der Regen, dazu kam eine gefühlt endlose Umleitung rund um einen See.
Eine Seite der Umfahrung bestand aus feinstem Schotter – aber genau dafür sind unsere GSen gemacht. Der Belag wechselte ständig zwischen Asphalt und Schotter, was den Tag abwechslungsreich hielt.
Am Nachmittag erreichten wir den Storforsen. Bei 30 Grad nutzten viele Schweden die Naturgewalt zum Grillen und Abkühlen, während der Wasserfall immer lauter donnerte. Danach ging es auf der letzten Etappe nach Luleå. Unser Scandic Hotel hatten wir mit Punkten gebucht – kostenlos. Abends spazierten wir noch in die Innenstadt, wo trotz der Lage am Polarkreis noch sommerlicher Trubel herrschte.
02.08.2025 - Tag 06 - Über den Polarkreis nach Finnland
417km - Lulea nach Kuttainen - Bildergalerie
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Nach einem sehr guten Frühstück starteten wir bei bestem Wetter. Heute ging es über den Polarkreis und weiter Richtung finnische Grenze. Fahrtechnisch war der Tag eher unspektakulär, landschaftlich aber spannend.
Die dichten Wälder wurden immer lichter, am Ende dominierten nur noch Krüppelbirken. Ziel des Tages war die Kuttainen Lodge, eine ehemalige Dorfschule. Trotz der nördlichen Lage hatten wir abends immer noch rund 25 Grad – kaum zu glauben.
03.08.2025 - Tag 07 - Finnland, Norwegen und Tromsø
320km - Kuttainen (Schweden) nach Tromsö - Bildergalerie
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Wir waren die letzten Gäste der Sommersaison, bekamen aber trotzdem ein hervorragendes Frühstück. Danach fuhren wir zurück zur finnischen Grenze und weiter Richtung Nordwesten. Die Straßen waren in schlechtem Zustand: tiefe Schlaglöcher, Baustellen und immer wieder Schotter.
Unterwegs passierten wir den höchsten befahrbaren Punkt Finnlands, kurz darauf die norwegische Grenze. Die Finnen kontrollierten Fahrzeuge, wir durften ohne Kontrolle passieren.
Endlich wieder Norwegen – und schon kurz darauf der erste Fjord. Über eine Fähre ging es weiter Richtung Tromsø, vorbei am nördlichsten 18-Loch-Golfplatz der Welt. In Tromsø bezogen wir das Scandic Ishavshotel direkt am Hafen. Großartiges Zimmer, perfekte Lage und das beste Frühstück der gesamten Reise.
Abends fuhren wir mit der Seilbahn auf den Storsteinen und genossen den Blick über die Stadt. Danach Burger im „Burgr“ – ein gelungener Abschluss.
04.08.2025 - Tag 08 - Ruhetag in Tromsø (fast)
146km - Tromsö - Bildergalerie
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Eigentlich war heute ein Erholungstag geplant. Eigentlich.
Doch ganz ohne Motorradfahren ging es natürlich nicht. Also fuhren wir noch ein paar Kilometer Richtung Küste und erkundeten später zu Fuß ausgiebig die Stadt.
Tromsø zeigte sich von seiner entspannten Seite. Abends ging es – wie sollte es anders sein – wieder zu Burgr. Urlaub eben.
05.08.2025 - Tag 09 - Trauminsel Senja
345km - Tromsö nach Narvik - Bildergalerie
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Nach einem absolut reisereifen Frühstück im Ishavshotel ging es wie im letzten Jahr auf die Insel Senja. Und wieder bestätigte sich: Diese Insel ist einfach beeindruckend.
Neben den bekannten Strecken nahmen wir auch einige Sackgassen mit, unter anderem nach Husøy – Strecken, die wir bisher noch nicht gefahren waren. Senja enttäuscht einfach nie.
Am Abend erreichten wir Narvik und übernachteten erneut im Thon Hotel. Leider werden dort inzwischen Parkplatzgebühren verlangt. Gegessen wurde natürlich beim Pizzabakeren.
06.08.2025 - Tag 10 - Start der Rückreise
424km - Narvik nach Mo I Rana - Bildergalerie
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Ab heute hieß es: Kilometer machen. Am Samstag mussten wir in Göteborg auf die Fähre. Also folgten wir der E6 Richtung Süden, von Narvik bis nach Mo i Rana.
Wir überquerten erneut den Polarkreis am Saltfjellet und erreichten am frühen Abend – bei Regen – die Hafenstadt Mo i Rana. Übernachtet haben wir im Scandic Meyergården, mit kostenlosen Motorradparkplätzen. Abends gab es Burger bei Burgasm.
07.08.2025 - Tag 11 - E6, Trondheim und Hell
441km - Mo I Rana nach Stjørdal - Bildergalerie
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Weiter ging es Richtung Süden über die E6. Ziel des Tages war eine Unterkunft in der Nähe des Flughafens Trondheim. Wie sollte es anders sein: Scandic Hell.
Zum Abendessen ging es nach Stjørdal zum Pizzabakeren – bewährt und gut.
08.08.2025 - Tag 12 - Abseits der E6 Richtung Oslo
477km - Stjørdal nach Jessheim - Bildergalerie
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Heute verließen wir die E6 und nahmen kleinere Straßen Richtung Süden. Sehr gut ausgebaut, wenig Verkehr – genau die richtige Wahl.
Ziel war der Flughafen Oslo Gardermoen. Unser Scandic Hotel bezahlten wir erneut mit Punkten. Abends ging es nach Jessheim zur letzten Pizza des Urlaubs.
09.08.2025 - Tag 13 - Abschied von Skandinavien
372km - Jessheim nach Göteborg - Bildergalerie
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Der letzte Tag in Skandinavien. Noch einmal 372 Kilometer. Wir entschieden uns für die Autobahn Richtung Göteborg, um Strecke zu machen.
Erst kurz vor der schwedischen Grenze bei Svinesund verließen wir die Autobahn und fuhren die letzten Kilometer über kleine norwegische und schwedische Straßen. Ein letzter Stopp beim Vikingagrillen an der Festung Bohus, dann ging es zur Tysklandsterminalen.
Die Verladung verlief schnell, und schon saßen wir wieder auf dem Sonnendeck. Bei bestem Wetter verfolgten wir das Auslaufen aus dem Hafen und die Fahrt durch die schwedische Schärenküste.
Skandinavien verabschiedete sich – und wir wussten: Wir kommen wieder.
10.08.2025 - Tag 14 - Abschluss – Wieder nach Hause, aber nicht fertig
8km - Kiel - Bildergalerie
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Zwei Wochen, mehrere Länder, tausende Kilometer – und trotzdem fühlt es sich an, als wäre die Reise viel zu schnell vergangen. Von der schwedischen Westküste über endlose Wälder, Schotterpisten und den Polarkreis bis hoch nach Tromsø und zurück nach Göteborg hat uns Skandinavien auch 2025 nicht enttäuscht.
Es waren nicht nur die großen Highlights wie Senja, Tromsø oder der Storforsen, die diese Tour besonders gemacht haben. Es waren die kleinen Momente: einsame Straßen ohne Verkehr, spontane Pausen an Seen, Regenfahrten, Sonnenuntergänge am Wasser und Gespräche am Abend, wenn der Helm längst ab war.
Motorradreisen im Norden sind selten perfekt – das Wetter nicht, die Straßen nicht, die Tagesplanung auch nicht. Aber genau das macht sie aus. Man passt sich an, fährt weiter, erlebt mehr, als man geplant hatte.
Als wir schließlich wieder auf der Fähre Richtung Deutschland saßen und die schwedische Schärenküste langsam hinter uns verschwand, war klar: Diese Reise endet hier – aber der Norden bleibt im Kopf.
Und eines steht jetzt schon fest: Skandinavien sehen wir wieder.